Karin Schütze, OÖN am 13.Februar 2016

Ein Kind zu erleiden ist furchtbar schön

Kabarett: Martin Dreiling und Joachim Rathke als „Daddies – schief gewickelt“ im Posthof.

Werdende Mütter und ihre Nöte sind hinlänglich beschrieben. Doch was ist mit den werdenden Vätern?
Wie lässt sich dem obersten Gebot für Eltern – „sich freuen“ – gerecht werden angesichts des drohenden Freiheitsentzugs, der Einzelhaft der Zweisamkeit, vom „Kostenfaktor“ Kind ganz zu schweigen?
In ihrem absurden Kabarett widmen sich Martin Dreiling und Joachim Rathke, selbst im realen Leben Väter, den Nöten zweier Bühnen – Daddies, die wider Willen ein „Kind erleiden“.

Kampfgeist statt Brutpflege

Zwischen Baby – Matratzenkauf und Tragetuch – Wickelkunst lauert die größte aller Gefahren: Der Verlust der sogenannten Männlichkeit, die im Spiel mit Klischees kritisch hinterfragt und neu ergründet wird.
In der spritzigen, aber nicht überdrehten Regie von Doris Happl schlüpfen Rathke und Dreiling in viele Rollen und noch mehr emotionelle Notstände. Perfekt für schnelle Szenenwechsel ist Isabelle Reders Bühnenbild.

Martin Dreiling und Joachim Rathke sind zwei wandelbare, aus tiefster Seele hoffende und bangende Daddies,  mit einem finalen Bekenntnis: „Väter sind wie Holz, hart und trocken, aber wenn sie zu brennen beginnen…“ können mitunter Kabaretts wie dieses entstehen. Kräftiger Beifall.